Erlebnisorientiertes Lernen

Ich durfte in den letzten Wochen wieder mal ein Bootcamp – wie ich die Trainingseinheiten mit meinem geistigen Team mittlerweile liebevoll-ironisch zu nennen pflege – zum Thema Vertrauen und Gelassenheit durchleben. Leidvollerweise – zumindest empfinde ich das zu Beginn dieser Lerneinheiten meistens so – begleitet mich ein geistiges Team (u.a. Meister Rosenkreuz und Michael), das sich sehr für erlebnisorientiertes Lernen begeistert. Es reicht ihnen nicht, mir Wissen zu vermitteln, sondern sie lassen mich dann die ganze Theorie auch gleich noch durchleben, damit ich es auch wirklich in Erfahrung bringen kann – denn so funktioniert diese Art von Zusammenarbeit mit der geistigen Welt: Ihr Wissen und mein Erleben ergeben die Erfahrung, die am Ende zu Weisheit transformiert werden kann. Damit diese Transformation aber auch wirklich stattfinden kann, braucht es offenbar diese Kooperation zwischen uns in dieser dreidimensionalen Ebene und der geistigen Welt.

Ich verwalte seit Anfang Juli die Ferienhäuser von Freunden und bin für den reibungslosen Ablauf, den Zustand der Häuser und die Betreuung der Gäste zuständig. Dass ich die Möglichkeit dazu bekommen habe, ist ein großes Geschenk für mich, denn ich bin selbst seit 22 Jahren begeisterter Gast in diesen Ferienhäusern – sie sind für mich über die Jahre Refugium und sozusagen Herzensheimat geworden – und diese Aufgabe gibt mir die Möglichkeit, zwei Monate hier an meinem Lieblingsort zu verbringen.

Nur, dass ich mir im Vorfeld offensichtlich allzu oft gedacht habe „Das ist doch eigentlich zu schön, um wahr zu sein“! Also ist es jetzt auch nicht ganz so einfach und reibungslos, wie ich mir das ursprünglich vorgestellt habe, da mein System etwas, das so schön und einfach gewesen wäre, offenbar noch gar nicht zu halten vermag 😉

Jedenfalls war ich die vergangenen drei Wochen – zumindest gefühlt – nonstop damit beschäftigt, größere und kleinere Probleme zu lösen: von einem noch nicht fertig gebauten Swimmingpool zwei Wochen, bevor die ersten Gäste kommen über nicht funktionierende Badezimmer-Armaturen bis zum fahruntüchtigen Motorroller, der hier eigentlich mein einziger fahrbarer Untersatz wäre… Immer wieder erwartete mich eine neue Überraschung, und manche Lösung, die ich zu finden vermeint hatte, entpuppte sich dann doch nicht als praktikabel.

Aber im Endeffekt ist dann doch zum richtigen Zeitpunkt noch für jedes Problem eine passende Lösung aufgetaucht – und mitunter sogar eine bessere, als ich mir hätte vorstellen können! So darf ich mir z.B. statt des kaputten Rollers nun für einige Tage das Auto einer Freundin ausleihen, mit dem ich noch flexibler – und komfortabler – unterwegs sein kann.

Jedenfalls konnte ich feststellen, wie ich im Laufe der Zeit immer ruhiger und gelassener wurde. Mit jeder Lösung, die ich organisieren konnte, wuchs in mir die Sicherheit: Ich schaffe das. War ich in der ersten Woche noch in Tränen aufgelöst angesichts der scheinbar unlösbaren Hindernisse, die sich mir da in den Weg gestellt hatten, wechselte ich immer schneller und unaufgeregter in den Lösungsmodus.

Was ich dabei auch noch spannend fand: Früher in meiner Funktion als Teamleitung in einer Tagesstätte für Menschen mit einer geistigen Behinderung – und ja, ich bleibe bei dieser Bezeichnung, da sie mir stimmiger erscheint als so manche Neukreation, denn der Geist ist ja tatsächlich aufgrund der speziellen Konstitution daran gehindert, sich mit dem Leib in der üblichen Weise zu verbinden und ihn ganz zu durchdringen – gehörten auch allerlei Krisen und Herausforderungen zu meinem Alltag. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, angesichts dieser jemals gleichermaßen kopflos und verzweifelt gewesen zu sein. Mein Geistführer erklärte mir das damit, dass ich damals eine fundierte Ausbildung und über dreißig Jahre Erfahrung im Gepäck hatte – und abgesehen davon bestens darin trainiert war, meine sogenannt negativen Gefühle zu unterdrücken –  was mich entsprechend sicher fühlen ließ. Wohingegen ich mich jetzt in einer für mich völlig neuen und unbekannten Situation und einer für mich relativ neuen Sprache zurechtfinden muss, wodurch mein System ohnehin schon in Alarmbereitschaft ist, und jeder noch so kleine Tropfen derjenige sein kann, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Ich habe viele intensive Gespräche mit meinem geistigen Team geführt in diesen Wochen, die sich von einem anklagenden „Warum muss das jetzt auch noch passieren?!“ zu einem konstruktiveren „Was daran könnte für mich liebevoll als Lernaufgabe vorbereitet worden sein?“ oder „Inwiefern könnte eine andere Lösung noch besser sein als die, die sich jetzt doch nicht umsetzen ließ?“ Dieses Vertrauen, dass die Lösung für mein Problem schon existiert und alles, was ich erlebe, nicht wirklich so negativ ist, wie es mir erscheint, sondern in Wahrheit das Beste für mich, ist in dieser Zeit gewachsen. Und ja, ich muss meinem Geistführer ja rechtgeben: Wie sollen sie mich Vertrauen und Gleichmut lehren in einem Leben, in dem ich mich nicht aus meiner Komfortzone herausbewege und diese Vertrauen nicht auf die Probe gestellt wird?

Ich durfte wieder einmal mehr erfahren, wieviel Zeit meines Lebens ich mir selbst verleide, indem ich mich mit Ängsten herumschlage, die sich im Nachhinein stets als völlig unbegründet herausstellten. Mein Geistführer meinte dazu unter anderem: „Die Situation ist wie sie ist, egal, ob du dich deiner Verzweiflung hingibst oder versuchst, zu vertrauen und zufrieden zu sein mit dem, was du hast oder vom Leben „serviert“ kriegst, und es dir gutgehen zu lassen.“

Am schwierigsten finde ich es, dass ich, wenn ich mich erst einmal für die Angst entschieden habe, nicht mehr zugänglich bin für Trost und Besänftigung vonseiten meines geistigen Teams. Wenn ich in heller Aufregung bin, dann hilft mir kein „Das ist doch nicht so schlimm.“ aus der geistigen Perspektive. Das macht mich höchstens wütend, weil ich denke „Ja, ihr! Ihr habt gut reden!“ Aber immerhin ist es dann diese Wut, die mich dann wieder in Bewegung bringt und nach Lösungen suchen lässt, statt einfach nur im Selbstmitleid zu versinken.

Und ja, leider brauche ich immer noch manchmal diesen Umweg über die Wut, statt mich gleich von vorneherein auf die Frage zu besinnen: „Wozu hätte ich mir eine derartige Herausforderung aussuchen können?“ um dann darauf zu kommen, dass ich wohl mehr Gelichmut und Gelassenheit lernen wollte – und es deswegen ganz und gar nicht fies und gemein von meinem geistigen Team ist, mich in solche für mich unangenehmen und unbequemen Situationen hineinschlittern zu lassen, sondern eine liebevollstens herbeigeführte Lernmöglichkeit!

Und ja, ich kann mir gut vorstellen, dass wir alle in der kommenden Zeit diese Fähigkeit von Gleichmut und Gelassenheit in einer immer schneller sich verändernden und hochkomplexen Welt gut werden gebrauchen können! Insofern kann ich meinem geistigen Team wirklich dankbar sein, dass es jede sich bietende Gelegenheit nutzt, mich so sanft wie möglich darauf vorzubereiten 😉