Zu meinem Weg als Medium gehört es offenbar, mich sehr bewusst mit meinen inneren Prozessen, durch die ich von meinen geistigen Begleitern geführt werde, zu beschäftigen. Einige Zeit lang ist es dabei vor allem um die sogenannten inneren Anteile gegangen, die ich von meinem geistigen Team vor Augen geführt bekommen habe. Und in den letzten Wochen durfte ich meine Elementale erkunden. Dabei war es für mich vor allem neu und interessant zu erfahren, dass das, was wir im einen Leben als Elementale mit in den Tod nehmen, sich in der nächsten Inkarnation im physischen Leib – z.B. in Form von vorgespurten Gedankenbahnen sozusagen – verfestigt.

Für mich war das eine sehr interessante Information, denn ich begriff, dass ich meine Kindheit unter diesem Aspekt ganz neu beurteilen konnte. Als Mensch mit mehreren reaktiven Depressionen hatte ich mich immer wieder gefragt, was in meiner Kindheit – die von aussen betrachtet als relativ behütet gelten musste – wohl falsch gelaufen war, dass ich im Erwachsenenalter immer wieder mit diesen depressiven Episoden zu kämpfen hatte. Hätte ich früher schon um die vergangenen Inkarnationen als Ursache meiner negativen Gedankenspiralen gewusst, hätte ich mir viel vergebliche Forschungsarbeit in meiner Kindheit nach den Ursachen meiner Ängste erspart – und meine Eltern wahrscheinlich vor so manch ungerechtfertigtem Vorwurf verschont!

Ich wurde im Verlauf dieser Arbeit immer wieder mit meinen grössten Ängsten konfrontiert – der Angst vor Verlust und der Angst vor dem Versagen – und durfte lernen, angesichts der Situationen, in die mich mein geistiges Team – zumeist nur in der Vorstellung – hineinführte, neue Beurteilungen und Bewertungen zu treffen.

Ich fand diesen Prozess ausserordentlich schmerzhaft und anstrengend – und nicht nur einmal fragte ich mich, ob es so eine weise Entscheidung gewesen war, mich nach diesem intensiven Kontakt mit der geistigen Welt zu sehnen und mein Leben danach auszurichten! Zu ihrer Verteidigung muss ich jedoch noch hinzufügen, dass mich die geistigen Wesenheiten, mit denen ich in Kontakt stehe, bisher noch jedes Mal nicht nur in diese Auseinandersetzungen mit meinem tiefstem Innersten hineingeführt, sondern immer auch wieder – mit neuen Erkenntnissen und Informationen beschenkt – daraus herausbegleitet haben. Das war eine weitere, für mich sehr interessante Beobachtung im Verlauf dieses Prozesses: Dass – im Kleinen wie im Grossen – ein reinigendes Gewitter manchmal einfach not-wendig ist, und wenn die Wolken sich ausgeregnet haben, die Sonne wie von selber wieder hervorkommt. Seit ich meinen Energiekörper nämlich besser wahrnehmen kann, ist mir schon öfter aufgefallen, dass nach einem Stimmungstief, in das ich mich durch Selbstverurteilung oder schwermütige Gedanken gebracht hatte, und der entsprechenden „Entladung“ durch eine Tränenflut, die Energie in meinem Körper plötzlich wie von selbst wieder anstieg und ich auf einer energetischen Aufwärtsspirale sozusagen auf eine neue Schwingungsebene gehoben wurde…

Jedenfalls ging es mir während dieses Reinigungs-Prozesses, wie er von der geistigen Welt genannt wurde, nicht besonders gut. Ich fühlte mich verzweifelt, unfähig, nutzlos und sehr einsam, da ich keine Worte fand, um z.B. meinem Lebenspartner verständlich zu machen, was ich gerade erlebte. Besonders in die Quere kam mir das angesichts einer Tagung auf Schloss Hohenfels, die zum Thema „Vereinigung der zwölf geistigen Strömungen“ veranstaltet wurde. Da ich von Michael als Schutzherrn der Anthroposophie schon des Öfteren darüber informiert worden war, wie wichtig es für uns wäre, uns nicht nur abzuspalten und zu unterscheiden von anderen spirituellen Strömungen, sondern uns zu öffnen und nach Synergien zu suchen, da wir gemeinsam mehr Kraft entwickeln könnten, verspürte ich den dringenden Impuls, an dieser Tagung teilzunehmen und dachte, dass ich dort bestimmt viel zu sagen und beizutragen hätte.

Nun fühlte ich mich aber am ersten Tag der Tagung so verzweifelt, da ich mich durch diese innere Auseinandersetzung mit meinen Ängsten so in mich selbst zurückgezogen hatte und mir überhaupt nichts mehr zutraute, dass ich schon auf der Fahrt im Auto zu Schloss Hohenfels die ganze Zeit weinte, weil ich das Gefühl hatte, völlig zu versagen und meiner Aufgabe, Sprachrohr für die geistige Welt zu sein, absolut nicht entsprechen konnte. Ich schwankte zwischen Ärger über meine Unfähigkeit, Selbstverurteilung und einer abgrundtiefen Trauer darüber, meinen Lebenszweck versäumt zu haben.

Auch wenn ich mit meinem Geistführer auf der Fahrt vereinbart hatte, dass ich nichts sagen müsse, dass es zuerst einmal jetzt nur darum ginge, mich mit den Menschen zu verbinden und zu networken, brachte es mich immer wieder zum Weinen, wenn die einzelnen Redner Dinge sagten, die mir zwar total aus dem Herz sprachen, ich aber nur mein eigenes scheinbares Versagen – denn es waren ja nur die Erwartungen, die ich im Vorfeld gehabt hatte, die mir das Gefühl des Versagens vermittelten; de facto hatte ich ja weder einen Auftrag noch eine Verpflichtung – im Fokus hatte und mich fragte, warum die anderen das scheinbar so spielend schafften, dort zu stehen und vor den Menschen zu sprechen, während ich solche Angst davor hatte. Nebst all den anderen unangenehmen Gefühlen und der Selbstkritik war es mir natürlich obendrein auch total peinlich, mich so wenig im Griff zu haben und die meiste Zeit einfach nur zu weinen – mal vor Rührung, z.B. als mich ein anderer Teilnehmer freundlich anlächelte oder wir gemeinsam ein Lied sangen, mal vor Verzweiflung.

Ab dem zweiten Tag besserte sich dann meine Verfassung, und als ich am Nachmittag so einen starken Impuls hatte, jetzt aufzustehen und etwas zu sagen – und zwar aus meinem eigenen Herzen sozusagen, und nicht als Sprachrohr für Michael – da konnte ich fast gar nicht mehr anders und meldete mich nun endlich auch zu Wort. Daraufhin war der Bann – und als solcher kam es mir wirklich vor – gebrochen, und ich konnte mich wieder ganz normal einbringen und auf die Menschen zugehen.

Was ich aber innerlich von meinem geistigen Team immer wieder gehört hatte, war, dass es so wichtig gewesen ist, dass ich mich gerade in meiner Verletzlichkeit gezeigt habe – auch wenn es sich für mich nicht so angenehm und glorreich angefühlt hatte, als hätte ich einen tollen Vortrag gehalten. Aber offenbar ist es ein ganz dringendes Anliegen der geistigen Welt, dass wir wieder lernen, uns mit unseren Gefühlen und unserer Verletzlichkeit zu zeigen. Immer wieder hört man ja, wie wichtig den Menschen Authentizität ist, egal ob es um einen Lehrer oder Chef oder Mitarbeiter etc. geht. Aber das bedeutet eben auch Authentizität: sich mit dem, was man gerade zur Verfügung hat – und wenn es eben nur Trauer und Verzweiflung ist – zu zeigen.

Ich kann mir schon vorstellen, dass das auf die Welt einen grossen Impact hätte, wenn wir uns erlauben würden, uns in unserer Verletzlichkeit zu zeigen. Wenn uns z.B. die Tränen kämen, wenn uns jemand etwas gesagt hat, das wir als verletzend empfinden; wenn wir unsere Verzweiflung angesichts der Weltlage zum Ausdruck bringen; wenn wir unsere Tränen zeigen angesichts der eigenen Beschämung… Einerseits hätte unser Gegenüber gerade eine direkte Rückmeldung über sein Verhalten, die wahrscheinlich bei ihm viel mehr bewirken würde, als wenn wir uns mit guten Argumenten zu verteidigen beginnen. Andererseits würden wir merken, dass wir mit unserer Trauer, unserer Scham, unserer Verzweiflung und ja, auch unserer Wut nicht alleine sind. Und vor allem könnten wir uns auch wieder als diese schönen Wesen erleben, die gemacht worden sind, um einander zu trösten, zu unterstützen und zusammen zu wirken, so wie mir das vor kurzem ein ca. zwölfjähriges Mädchen demonstriert hat, das mir im Zug gegenüber sass, als ich gerade wieder einmal meinen Tränen freien Lauf liess, und das wahrscheinlich all seinen Mut zusammengenommen hatte, um mich zu fragen, ob eh alles in Ordnung sei. Das wäre unsere eigentliche Natur; und nicht das, wozu wir erzogen worden sind: ein Pokerface aufsetzen und ja keine Schwäche zeigen, solange wir noch immer in einer Welt leben, in der der Stärkere gewinnt.